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JUNGS, DIE NICHT LOSLASSEN KÖNNEN

SFTB-Tour-Tagebuch, April 2016

Während wir auf der politischen Bühne in Gestalt Donald Trumps, Wladimir Putins und Recep Tayyip Erdogans längst die Rückkehr des starken, imperialen Mannes erleben, ist man in laufenden Hollywoodproduktionen und oscarprämierten Blockbustern noch dabei, dieser Wieder – oder Heimkehr der wehrhaft-patriarchalen Hete diverse Erklärungsmodelle zur Seite zu stellen.

In Filmen wie „The Revenant“, „The Martian“, „Mad Max“, „Hail, Caesar!“ und natürlich „Star Wars – The Force Awakens“ geht es durchgängig um die Rehabilitierung einer zuletzt arg in Verruf geratenen Spezies:
Der des weißen, männlichen Heterosexuellen. Ob schockgefrostet im ewigen Winter von Superwildnis oder auf lebensfeindlichen, fernen Planeten von der Mutter der Kompanie scheintot zurückgelassen, auf der Flucht vor Überdaddy und einer Horde nicht zu Ende geborener Zombieföten in der Wüste zur Vernunftehe mit Femenamazonen gezwungen oder noch schlimmer: Auf der Arbeit (Jesus-Film) von Kommunisten entführt. Papi ist in der Postapokalypse verschütt gegangen oder schmollt unauffindbar auf irgendeinem Berg. Was war passiert?

Die Terrorangriffe auf das New Yorker World Trade Center durch eine religiös motivierte Gruppe primitiv-patriarchalisch indoktrinierter Jungmänner, waren vom Westen als genau das antizipiert worden, was sie waren: Massenmörderische Infragestellung einer abendländisch-aufgeklärten Sexual- und Geschlechtermoral und ihrer als degeneriert verteufelten, dominanten Fiktionen von Emanzipation und säkularer Gesellschaft (demokratischer Rechtsstaat). Mit dem Einsturz der jüdisch-christlichen Doppelpenisse, „finanzpolitisches Herz der USA“ und Sinnbild der globalen Hegemonie kapitalistischer Geld-, Waren- und also Libidoströme, waren auch die westlich-tradierten Vorstellungen von Mann, Frau und Familie ins Wanken geraten. Während man auswärts auf Rachefeldzug ging und den Nahen Osten - mit Unterstützung der europäischen Provinzen - ins Chaos zu stürzen begann, wurde den talibanisch-salafistischen Provokationen zu Hause unterschwellig rechtgegeben. Die bis dahin intakten Selbstbilder von Mann, Frau, Liebe und Familie wurden zur Überprüfung ihrer Nachhaltigkeit an die Wiederholungsschlaufen der Serienkultur weitergereicht. Erfolgsformate wie „Mad Men“, „Homeland“, „Game of Thrones“, „Breaking Bad“, „Walking Dead“ oder jüngst auch „House of Cards“ handeln seitdem nicht nur von der Selbstvergewisserung heteronormativer Rollenverständnisse westlicher Prägung (auch bekannt als „Kampf der Geschlechter“) sondern auch von der Frage, wie weit man(n) gehen darf oder muß, um die Keimzellen des Eigenen (Ich, Körper, Familie, Staat) zu erhalten. Gutes Crystal Meth kochen -  krasswitzig. Zombies killen? Einfach notwendig. Remember: Survive! Selbstmordattentat? Nachvollziehbar, aber böse.

Der Trendbegriff des „Postheroismus“ bezeichnet  dabei weniger den Umstand, daß es nichts Heldenhaftes mehr gäbe oder bräuchte (nicht nur für Al-Quaida - und Isis-Krieger eine Frage der Perspektive) sondern bloß, daß der weiße, männliche Heterosexuelle sich als nicht besonders heldenhaft erwiesen hat. Ein aufgeblasener Loser, der den Einsturz der Türme nicht hatte verhindern können, Kriege nicht mehr gewinnt und dessen kriminell - egomane Grundkonstitution auch für Immobilienblasen und Weltwirtschaftskrise („Margin Call“, „Wolf Of Wallstreet“, „Big Short“) alleinverantwortlich zeichnet. Egos auf Pump. It’s a man’s man’s man’s world. Aber wer ist dieser Mann? Und wo waren die Ladies?

Der im Westen durch „Pussy Riot“ – Verfolgung und „Femen“-Proteste gestützte, schein-emanzipatorische Generalverdacht vom Mann als biologisch prädisponierten Aggressor paßt nur zu gut ins männerschmeichlerische Bild des evolutionär eingespielten Dream-Teams von "starkem Mann" und "schwacher Frau". Ob weißer Ritter oder potentieller Vergewaltiger, Hauptsache Chef.

War man in den Selbstermächtigungsversuchen  der Sufragettenbewegung  noch von der unbedingten Gleichheit aller Menschen ausgegangen, um die Bürgerrechte der Frauen zu erstreiten und ihre Diskriminierung zu bekämpfen, wurde später, trotz der Erfolge der Emanzipation, die  testosteron- gesättigte Neigung des Mannes zur Tyrannei  behauptet und am Bild der ausgebeuteten, schwachen Frau festgehalten.

In Deutschland nach 45 diente dieses Festhalten auch der Schuldabwehr der deutschen Frau. Zur Trümmerfrau verklärt, wurde sie jeder Mitverantwortung am Nationalsozialismus enthoben und Krieg und Faschismus zur reinen Männerangelegeheit gemacht. Als hätten in Deutschland nur Männer Hitler gewählt und der Enteignung, Verschleppung und millionenfachen Tötung billigend zugesehen. Auch wenn in jüngeren TV - Produktionen wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ der Versuch unternommen wurde, die „Väter“ als Opfer schicksalshaft- entfesselter Kriegswirren zu entschulden und dafür Krankenschwestern und Sängerinnen die Verantwortung für Denunziation, Mitläufertum und Drittes Reich zuzuschieben, ist dieses Gentlemanagreement zum  Kräfteverhältnis der Geschlechter bis heute ausschlaggebend für die Sicht auf Frauen, auch in politischen Führungspositionen.

Im Fall von Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich so lange Zeit beobachten, wie die bloße Geschlechtszugehörigkeit der Kanzlerin sie scheinbar vor einer sachlichen Kritik ihrer Politik immunisierte. Sie konnte es als Frau gar nicht schlecht meinen. Machthunger und Herrscherwillkür sind ihre Sache nicht. Oder doch? Die sexistische Gleichsetzung von „Frau“ und „Mutter“ eint seitdem Befürworter und erbitterte Gegner der Kanzlerin in ihrer mutterkomplexhaft-verzerrten Wahrnehmung der Personalie Merkel und ihrer Politik der sozialen und europäischen Spaltung. Der so für politische Sachlagen verstellte Blick bringt über den Umweg einer verfehlten, weil verspäteten Einwanderungspolitik der Bundesregierung den Typus des reaktionär-eingeschnappten Möchtegernpatriarchen wieder auf die politische Agenda: Ob Victor Orban, Jaroslaw Kaczynski, Horst Seehofer oder Alexander Gauland. Sekundiert von rechtsextremen Töchterfiguren wie Marine Le Pen, Frauke Petry und Beatrix von Storch schießen die Chauvinisten wieder wie Pilze aus dem europäischen Boden. Daß es zuletzt ausgerechnet der mutmaßliche IS-Waffenlieferant Recep Tayyip Erdogan sein soll, dem die "Rettung des Abendlandes" vor „Flutung“ durch „Flüchtlingsströme“ anvertraut wird, ist eine bizarre und für die Errungenschaften der europäischen Aufklärung (Demokratie, Meinungs-  Presse- und Religionsfreiheit, Gleichberechtigung) fatale Pointe der Amtszeit Angela Merkels.

Während in Good Old Europe die soziale Frage wieder nationalistische Blüten treibt, hat sich als US-amerikanische Variante des rächenden Chauvis der verbal-amoklaufende Unternehmenserbe Donald Trump als attraktive Alternative zur „bösen Mutter“ Hillary Clinton in Stellung gebracht.
  Dabei erweist sich das amerikanische Narrativ Hollywoods wieder ganz auf Höhe mit dem Weltgeist. Glaubt man den neuesten Erkenntnissen der Traumfabrik, handelt es sich beim Imageproblem der weißen Hete vor allem um die Geschichte eines Verrats.
In „The Revenant“ muß Papa, nach dem Dolchstoß durch das ewig  Animalische (Achtung: wütenden Grizzly-Mutter! Wer sonst?) von seinen Geschlechtsgenossen im Stich gelassen, erst ins Erdloch, bevor er als Rächer seinen Weg zurück in die Zivilisation finden kann. Alejandro González Iñárritu erzählt die Rückkehr des Helden dazu als naturgewaltiges Stummfilm- Epos zwischen Passionsgeschichte und Wiedergeburt. Nachdem er im letzten Jahr mit „Birdman“ den gefallenen Superhelden als Knallcharge noch nackt über den Timesquare gejagt hatte, läßt er die geschundene Männerseele jetzt stundenlang durch die Wildnis robben, bevor sie wieder den aufrechten Gang erlernt. Funfact: Er steht nur für gefühlte 15 min. Oscarreif.

Altmeister Ridley Scott begibt sich für seine Version der Space - Odysseen der letzten Jahre („Gravity“, „Interstellar“) auf den Lieblingsplaneten männlicher Selbstfindung: Den Mars. Nach einem Planeten-Sturm (Ehestreit?) mutterseelenallein in der verrosteten  Einöde zurückgelassen, muß sich „Der Marsianer“ erst in Demut üben, aus Exkrementen Kartoffeln machen und im Schnelldurchlauf Kultur erfinden, bevor er von der reumütigen Kommandantin wieder ins Mutterschiff geholt wird. Nabelschnur included.

Im Reboot seiner Endzeit-Familienaufstellung „Mad Max – The Fury Road“ läßt George Miller Titelheld Max Rockatansky wieder belastungsgestört am Verlust seiner  Familie leiden. Gespiegelt wird die Trennung von Frau und Kind diesmal in der Figur des liebeskranken Wüsten-Despoten Immortal Joe. Damit treibt Miller die lust-angstbesetzte Identifikation mit dem islamistischen Aggressor in surreale Höhen. Dem Übervater ist nämlich sein Harem abhanden gekommen. Rasend vor Eifersucht versucht er mit einer Armee gebleachter Gotteskrieger seine Besitzansprüche geltend zu machen, um auch weiterhin Wasser in Muttermilch verwandeln zu können. (Oder war es Öl?) Aber seine Sexsklavinnen haben unter Führung der Hard Butch-Amazone Furiosa längst die Flucht ins gelobte Land (Matriarchat) angetreten und in Max einen zwar mundfaulen aber lernwilligen Begleiter gefunden. So weit, so queer. Nach knackig durchchoreographierter Endlosverfolgungsjagd (Willy Bogner für Cineasten) ist es dann soweit: Das Matriarchat ist ausgetrocknet, das fruchtbare „Grüne Land“ versumpft, das weiche Wasser sauer. Dann also den Rückwärtsgang einlegen und zur Palastrevolution via Vatermord (Faster Pussycat! Kill!Kill!Kill!) wieder nach Hause fahren. Warum nicht gleich so? Nach der Machtübernahme verschwindet der geläuterte Held in der Menge des entrechteten Mobs und hat schließlich seine Lektion gelernt: Liebe ist kälter als der Tod und nur etwas für alte Männer und spätpubertierende Wüstensöhne. Witness!

Wegen seines für die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen beinah visionären Gehalts sei abschließend „Star Wars – The Force Awakens“ hervorgehoben: Achtung, Spoileralarm! Auf der Suche nach dem verschwundenen Luke Skywalker, muß zunächst der sympathische Stenz und Macho-Loner „Han Solo“ (wie immer in Tierbegleitung seines Buddys Chewbacca) vatermordbedingt den Löffel abgeben, bevor der schwarze Renegat und Osama/Obama-Stellvertreter Finn abzutreten hat, damit die weiße Heldin (Hilla-rey) „die Macht“ übernehmen und dem effeminierten Hanns-guck-in-die-Luft (jetzt auch mit Bart) Luke endlich sein Zepter bzw. Laser-Schwert zurückgeben kann. Wird der Jedi die Herausforderung annehmen? Fortsetzung folgt. Leider erst 2017. Dann doch lieber gleich Trump wählen. Er hat auch eine Frisur. Und große Hände. Und seine Tower stehen noch.




Zu Besuch bei Opa Ehrlich

erschienen in Nido, Februar 2016

Also, die Sache mit Opas Namen war folgendermaßen: Opa Ehrlich hieß eigentlich gar nicht Opa Ehrlich sondern Erich. Aber weil Timo im zarten Alter von ungefähr zwei oder drei, wohl etwas falsch verstanden hatte - und wer von uns hat im zarten Alter von ungefähr zwei oder drei wohl nicht auch so einiges falsch verstanden – hatte Timo eines Tages auf Papas Ankündigung, heute mal wieder Opa zu besuchen, laut von seinem Kindersitz im Auto gerufen: „Jaaa! Opa Ehrlich!“ „Genial!“, hatte Papa gesagt und Mama neben ihm schallend gelacht. Timos Großvater war nämlich eher das Gegenteil von ehrlich. Das wußte jeder. Er flunkerte gern und dachte sich immer alle möglichen Quatschsachen aus. So zum Beispiel, als er einmal zu Weihnachten darauf bestanden hatte, eben den Weihnachtsmann gesehen zu haben, wie der mit seinem Schlitten über’s Haus geflogen sei, obwohl Opa doch selbst, erst kurz zuvor, als Weihnachtsmann verkleidet bei ihnen im Wohnzimmer gestanden und die Geschenke verteilt hatte. Ts, Opa halt! Aber das war ja noch harmlos. Viel lustiger waren die Geschichten, die Opa sich einfallen ließ, wenn Timo ohne seine Eltern bei ihm zu Besuch war. Dann erzählte er gern ausführlich von seiner Zeit als Yedi-Ritter und Erfinder der ersten Rauchzeichen, wie er auf einer schwimmenden Insel Feuerwehrmann in einer Drachenfarm gewesen war oder mit Oma Pferde gestohlen hatte. Seit Oma vor ein paar Jahren gestorben war, lebte Opa Ehrlich allein in dem alten Bauernhaus auf dem Land und immer wenn Timo ihn an Wochenenden oder in den Ferien besuchen kam, gab es jede Menge zu tun. In den Wald gehen, Pilze sammeln, Stöcker schnitzen, Angeln, den Sonnenuntergang beobachten oder „Cowboy und Indianer“ spielen. Letzteres ging allerdings nicht so gut, weil Opa sich gern immer irgendwo hinsetzte und zu erzählen begann.

Mit der Zeit hatte Timo sich daran gewöhnt, daß sein Großvater es mit der Wahrheit nicht so genau nahm und auch wenn der sich für seinen Enkel immer neue Geschichten ausdachte, war Timos Begeisterung für Opa Ehrlichs Abenteuer deutlich zurückgegangen. Außerdem hatten sich Timos Interessen, von Fußball und Skaten abgesehen, allmählich von draußen nach drinnen verlagert. Und so kam es, daß Timo, kurz vor seinem zehnten Geburtstag, in den Herbstferien bei Opa Ehrlich zu Besuch, in einen Comic vertieft war, als er den Alten aus der Küche rufen hörte: „Mensch, das gibt’s ja nicht!“

Timo blieb cool.

„Junge, komm mal schnell! Da steht ’n Elefant im Garten!!“

„Natürlich!“

„Ehrlich jetzt!“

Timo mußte lachen: „Ja, klar Opa. Warum nicht gleich ein Säbelzahntiger?“

Als Timo noch klein gewesen war, hatte er sich immer einen Säbelzahntiger als Haustier gewünscht. Das wußte Opa. Der hatte ihm damals erzählt, daß er selbst als junger Mann in China Säbelzahntiger lebendig gefangen und gezähmt hatte, um sie vorm aussterben zu bewahren. Da hätte er dann übrigens auch Oma kennengelernt. In China.

„Also für n Säbelzahntiger ist er eindeutig zu dick. Außerdem ist er ganz schön grau geworden. Gut, das mit den Stoßzähnen könnte hinhauen. Aber die Ohren...“

„Säbelzahntiger sind ausgestorben, Opa!“

„Das weiß ich! Schließlich war ich dabei. Ist ja auch kein Säbelzahntiger, sondern ein Elefant!“

Timo stöhnte, legte den Comic beiseite und ging in die Küche. Sein Großvater war über die Spüle gebeugt und starrte aus dem Fenster nach draußen.

„Ein Elefantenbulle! Das erinnert mich daran, wie ich seinerzeit dem Sultan von Karmasuta geholfen habe, eine Herde entlaufener Jungbullen...“

„Schon gut, Opa. Ich bin ja jetzt da.“ Timo stellte sich neben ihn auf die Zehenspitzen. Als er über die Spüle nach draußen guckte, traf es ihn wie ein Schlag.

„Opa, d-d-da steht ein E-e-elefant im Garten!!“

„Sag ich ja!“

Timo wurde von seinem Großvater auf die Anrichte gehoben. Dann schauten beide nach draußen. Ein ausgewachsener Elefantenbulle stand stolz, mit majestätisch-weißen Stoßzähnen in Opas Garten und blickte zu ihnen herüber.

„Aber wo kommt der denn her?! Ich mein, was macht der hier?!“

„Keine Ahnung, Junge. Aber soviel ist klar: Er friert.“

Tatsächlich. Der Elefant hatte zu schlottern begonnen. Und ängstlich sah er nicht gerade aus. „Paß auf,“ sagte Opa Ehrlich, der aufeinmal ganz klar war, „du ziehst dir jetzt deine Jacke an und nimmst soviel Äpfel, Bananen und Gemüse mit wie du tragen kannst. Ich hol die alten Decken aus dem Keller und wir treffen uns vorn bei der Haustür.“

Timo war sprachlos. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so aufgeregt gewesen zu sein. Ein echter Elefant! Bei Opa im Garten! Er hatte gerade alles, was er an Bananen, Äpfeln, Mohrrüben und dergleichen in der Küche hatte finden können, in seine Jacke gestopft, als Opa Ehrlich mit einem Haufen Decken unterm Arm die Haustür öffnete. „Na, dann wollen wir mal!“ Sie gingen ums Haus. Die letzten Tage waren stürmisch gewesen und der Herbstwind hatte das Laub von den Bäumen geweht. Überall lagen die Blätter in rot-gelb-braunen Herbstfarben auf der klammen Erde.

Als die beiden den Garten betraten, stand dort der Elefant immer noch seelenruhig, aber vor Kälte zitternd vorm Küchenfenster. „Der ist ja riesig!“ Opa ließ die Decken auf den laubbedeckten Boden fallen und machte kehrt. „Du wartest hier!“ Timo wurde mulmig. Er hatte noch nie einen so großen Elefanten gesehen. Schon gar nicht in freier Wildbahn. Besonders gefährlich sah er zwar nicht aus, aber Timo blieb trotzdem sicherheitshalber auf Abstand. Der Elefant hatte sich gerade zu ihm umgedreht und mit seinem Rüssel zu winken begonnen, als Opa Ehrlich mit einer Klappleiter zurückkam. „Na, ihr habt euch ja schon angefreundet. Dann kann’s ja losgehen.“ Und das war der Plan: Während Opa die Leiter hochkletterte, um dem Elefanten die Decken umzulegen, sollte Timo die Fütterung übernehmen. Und genauso wurde es gemacht. Vorsichtig reichte Timo dem Elefant die mitgebrachten Speisen, die der mit seinem Rüssel behutsam entgegennahm und dann genüsslich verdrückte. Wie zutraulich er war! Oder einfach nur hungrig. Nachdem der Elefant sich halbwegs satt gegessen hatte und schließlich ganz von Decken umhüllt war, stieg Opa Ehrlich von der Leiter und stellte sich stolz neben seinen Enkel. „Mission erledigt.“

„Und was jetzt?“, fragte Timo, fast etwas enttäuscht.

„Jetzt gehen wir erstmal wieder rein und finden raus, was es mit unserem Freund hier auf sich hat. Wahrscheinlich ist er aus irgendeinem Zirkus abgehauen.“

Timo schmunzelte. „Oder er gehört dem Sultan. Und ist Dir nachgelaufen!“ Opa Ehrlich nickte zufrieden. „Gut möglich. Aber weißt Du was? Vorher machen wir noch ’n Photo! Findest Du nicht, daß er mit den Decken aussieht wie ein riesiger Säbelzahntiger?“

„Oah, Opa!!“




Rock’n’Rimbaud

erschienen am 22.6.2015 im Feuilleton der FAZ

Die Musikerin Patti Smith kommt zum 40jährigen Jubiläum ihres legendären Debut Albums „Horses“ auf Tournee. Von Jochen Distelmeyer

Das letzte Mal gesehen hab ich sie im Oktober 2014. Als Patti Smith mit ihrer Tochter Jesse Paris Smith und dem New Yorker Soundwalk Collective die Nico-Tribute-Performance „Killer Road“ an der Berliner Volksbühne aufführte, war es als wäre eine Königin heimgekehrt. Nicht nur das Publikum, das Haus selbst, auf dessen Bühne sie im Halbdunkel stehend letzte Gedichte der vor der Zeit verstorbenen „Velvet Underground“- Sängerin vortrug, von Videos und Fieldrecordingcollagen in Szene gesetzt in die Texte hinabstieg wie in Totenreiche, schien nur auf sie gewartet zu haben. Die Gralshüterin eines schamanistischen, dem Glauben an das Heilende, Rettende der Musik verpflichteten Rockideals, hatte zu einer Seance geladen, die die autoaggressiven Trancebemühungen vergangener Castorf-Schlingensief-Vinge- Inszenierungen aussehen ließ wie unaufgeräumte Kinderzimmer. Mami’s back. Mit ihren kunstvoll entwickelten Rezitativen erinnerte Smith an diesem Abend an ein Versprechen, durch das die Volksbühne stilbildend zum Wallfahrtsort eines postdramatischen Exorzißmus avanciert war: Die Erlösung des Sprechtheaters aus dem Geist des Rock’n’Roll. Allerdings stand die Musikerin damit auch für ein Menschenbild ein, zu dessen Vorstellungen von „Seele“, „Selbst“, „Liebe“, „Wahrheit“ und dergleichen die Zauberlehrlinge der Postmoderne bis zur Denunziation auf Distanz gegangen waren. Solange bis ihr emanzipatorischer Eifer die Bühne zum Bootcamp für durchtrainierten Selbstbezichtigungsklamauk runtergerockt hatte. Die treuhänderische Enteignung und Abwicklung des Ostberliner Voodootempels zum gutvernetzten Sammelsurium sozialdemokratischer Gleichschaltungsphantasien erscheint folgerichtig, ist aber eine andere Geschichte, die demnächst als Rührstück vom Ende einer Ära unter Krokodilstränen aufgeführt wird. Motiv: Kunsthass. Titel: „Weltkulturerbe in der Hand von Terroristen. Oder: Denn sie wissen nicht was die Arbeit ist.“

An diesem Abend war die Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz noch einmal der ideale, von Geist wie Spirit getragene Raum für die Smithschen High End - Meditationen zum Thema „Circle of Life“. Von Möwengeschrei und Meeresrauschen, Windspiel- und Waterphoneklängen begleitet folgte man der Sängerin gebannt durch die lyrischen Unterwelten ihrer Kollegin und am Ende der knapp anderthalbstündigen Nachtmeerfahrt, die letzten Mantren und Soundwellen waren verklungen, herrschte für einen langen Moment Stille im Theaterraum. Niemand wagte zu klatschen. Als wäre es Frevel. Dann der erste schüchterne und gleich darauf brandende Applaus des wie aus Hypnose erwachten Publikums und unter den stehenden Ovationen verließ Smith mit ihren Begleitern ein letztes Mal winkend die Bühne.

Von Sam Cooke heißt es, er habe ein Kompliment zur Schönheit seines Gesangs dankend mit dem Hinweis zurückgewiesen, man solle die Qualität einer Stimme nicht nach ihrem Wohlklang, sondern danach beurteilen, ob sie uns glauben macht, daß sie die Wahrheit sagt. Wenn Patti Smith in diesem Sommer zum 40jährigen Jubiläum ihres Debut-Albums „Horses“ mit ihrer Band auf Tournee geht, wird man sich nirgends besser von der Gültigkeit des Cookeschen Diktums überzeugen können. Ob mit ihrem an amerikanischer Beatliteratur, Bob Dylan und Jim Morrison geschulten Deklamationstil, dem atemlos-treibenden Sprechgesang, ihren wehmütig-hymnischen Chants und Wiegenliedgesängen oder den maximal druckvollen Shouts einer wütenden Squaw: Smiths Vokalkunst ist reinste Überzeugungskraft. Oder anders gesagt: Von Patti Smith lernen, heißt singen lernen. Allerdings bedarf es dazu gänzlich anderer Einübungen und Skills als die eines hilflos-technokratischen Kolloraturdrills, wie er seit Whitney Houston, Mariah Carey und Christina Aguilera - als quasi klanggewordenes Abbild postfordistischer Flexibilitätserwartungen - durch Charts und Castingshows geistert und Stimmschwächere in der Selbstentfremdung des Autotune Schutz suchen läßt. Auch der vermeintliche Gegenentwurf einer rückwärtsgewandten Instant-Soulfulness a la Amy Winehouse, Aloe Blacc oder Sam Smith, erweist sich schnell als Produktvariante des flexibilistischen Stahlbads, von dem die Beschwichtigungsnebel der Retrokultur aufsteigen und anpassungsunwillige Probanden (I said: No, No, No!) der Opferung zuführen. Während beim Sängertypus „weiße Frau“ wieder vermehrt auf Relaunch-Versionen der „Heilige/Hure“-Standards „toughe Röhre“ oder „weirdes Seelchen“ zurückgegriffen wird, hat sich bei den Jungs, als unschöner Effekt heteromännlicher Selbstreflexion, das Klangbild des mitleidheischenden Jammerns und Harmlostuens durchgesetzt. In diese Gemengelage ungeklärter Geschlechter- und Produktionsverhältnisse hinein sendet Smith ihre überzeugungskräftigen Signale gegen jede Form von Unmündigkeit. Den Verunsicherungen anhaltend prekärer Beschäftigung und einer beispiellosen Verteilungsungerechtigkeit der postdemokratischen Spätmoderne begegnet die Sängerin mit ihrem stoischen Votum für zwei scheinbar aus der Zeit gefallene Klassiker des „Es – sich – nicht – länger – gefallen – lassens“: Nonkonformismus und Selbstermächtigung. Auch wenn das künstlerische Profil der Rock - und Fashionikone Smith zwischenzeitlich (Ann Demeulemeester hin, Limi Yamamoto und Christophe Decarnin her) eine gewisse Manufactum-Patina („Es gibt sie noch die guten Dinge“) angesetzt hatte, ist es dieses Insistieren auf den Kardinaltugenden des Punk, dem Rohstoff aller Jugend- und Befreiungsbewegungen, das Smith nicht nur für jüngere Kolleginnen wie Feist, Lorde, Lady Gaga oder Miley Cirus zur Bezugsgröße der Stunde macht. In Zeiten einer bis zur Normopathie gesteigerten Anpassungskultur (Socialmediadienste wie Linkedin, Facebook, Tinder und Twitter als Rudelbildungs- und Konformitätsmaschine für Selbsterschöpfte) ist das „Saper aude!“ des „Rock’n’Roll Niggers“ Smith der Nektar, der ihre Konzerte zu euphorisch gefeierten Erweckungserlebnisse für Aussteigewillige aus der Multioptionsgesellschaft macht. „Outside of society - That’s where i wanna be!“

„Jesus died for somebody’s sins, but not mine.“ Mit diesem Schlachtruf eröffnet die Patti Smith Group 1975 ihr erstes Album „Horses“. Eine Unabhängigkeitserklärung. Und klare Chefansage. So wie das schlichte, schwarzweiß gehaltene, längst ikonisch gewordene Coverportrait der Künstlerin von ihrem Freund und Partner Robert Mapplethorpe, das Smith als schüchtern-coole Rockamazone in Wartestellung zeigt und ihren späteren Ruf als Stilikone begründen sollte. Das von John Cale (Velvet Underground) in Jimi Hendrix’ „Electric Lady“- Studio produzierte „Horses“, markiert den Übergang von Beatnik-, Rock-, und Hippiekultur zu Punk und gilt zu recht als Meilenstein des frühen amerikanischen New Wave. Drei weitere Alben – das mit seinen Agit- und Hardrockreminiszenzen (MC5/Blue Öyster Cult) von der Kritik unverstandene, dunkel schwingende „Radio Ethiopia“, Smiths durch ihre Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen („Because the Night“) und Jimmy Iovine (Produktion) etwas plump geratener, größter Chartserfolg „Easter“ und schließlich das von Todd Rundgren einfühlsam poppig produzierte „Wave“ - sollten bis 1979 folgen, bevor sich die Sängerin überraschend aus der Öffentlichkeit zurückzog, um mit ihrem späteren Ehemann, dem MC5 Gitarristen Fred Sonic Smith in Detroit zusammenzuleben und dort die gemeinsamen Kinder Jackson und Jesse großzuziehen. In diese Zeit fällt lediglich das von Fred Sonic Smith produzierte und co-geschriebene „Dream of Life“ von 1988, das vom Tod Robert Mapplethorpes und ihres Keyboarders Richard Sohl überschattet wurde. Nach dem Tod ihrer „letzten Liebe“, Fred Smith starb 1994 an Herzversagen, kehrte Smith auf die Bühne zurück und veröffentlichte seitdem sieben Alben, zuletzt das 2012 erschienene, ziemlich großartige „Banga“. Für viele ihr bestes seit „Horses“.

„Jesus died for somebody’s sins, but not mine“. Dieser programmatische, erste Satz ist aber nicht nur Ausdruck der kompetitiven Selbstbestimmung der Künstlerin, sondern auch Eingeständnis einer Kränkung. Des Gefühls, ausgeschlossen zu sein von der Liebe und Gnade des Gottesohnes. Das ist es, was der Suche der Schamanin, dem Schaffen der Sängerin, Dichterin und Performerin Smith seine Dynamik verleiht und sie immer wieder in die Nähe des Todes anderer Außenseiter, Künstler, Ikonen und Wegbegleiter geführt hat. „Killer Road“ ? Aus dem Dunkel dieser Erfahrung von Liebe, Trauer und Schuldhaftigkeit speist sich das Know How der Mystikerin und Musikerin Smith. Ihre Begabung. Ihr Mut und Mitgefühl, ihr kämpferisches Pathos, ihre Spiritualität, Wut und kindliche Hingabe, die Standhaftigkeit und ungeheure Intensität ihrer Erscheinung, durch die wir uns in ihr wiedererkennen können. Nennen wir es Aura. Dazu: Das Arbeitsethos der Lyrikerin, ihre Bereitschaft, die Welt auf ihre Bedeutungsreize hin zu überprüfen, das Zeichenhaften von potentiell allem in den Blick zu nehmen und auf sich wirken zu lassen, dem Ruf des Göttlichen also zu folgen, der da lautet: „Daß es etwas bedeutet“, ist selber Animierung des Göttlichen und seine Verankerung in der Welt durch die Kunst.

Ich wäre an diesem Abend in der Volksbühne fast zu spät gekommen. Tatsächlich war ich eher unwillig einer Einladung zu der „Killer Road“ - Performance gefolgt. Nach Jahren phasenweiser, immer wieder intensiver Beschäftigung mit ihrem Werk, hatte ich das Gefühl gehabt verstanden zu haben - worum „es“ geht - und geglaubt, ihr Ding für mich abhaken zu können. An die Stelle meiner Begeisterung für Songs wie „Birdland“, „Horses“, „Radio Ethiopia“, „Dancing Barefoot“ und „Frederick“ war mit der Zeit eine zunehmende Skepsis („Beware of Darkness“) getreten, die mich nicht als Fan, eher wie ein kritischer Beobachter zu der Aufführung gehen ließ. Kaum hatte ich aber den Saal betreten und auf den überfüllten Stufen im Zuschauerraum Platz genommen, als mich ihre Präsenz, mit der Smith selbst im Flüsterton, unter Harmoniumklängen und Vögelgezwitscher, den Raum erfüllte, ihr Vibe, wieder ganz für sie eingenommen und in den Bann gezogen hatte. Die soghaften Soundwelten ihrer Begleiter und Smiths bewegender Vortrag der Nico-Gedichte, die Virtuosität, mit der sie der Toten ihre Stimme lieh und den Texten Leben einhauchte, ließen mich dabei an einen anderen, früheren Song von ihr denken. Den einzigen, den das Ehepaar Smith gemeinsam „eingesungen“ hatte: Das in seiner Einfachheit erhabene „It takes time“ von 1991, in dem Patti und Fred Smith, wie Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies, von den Unwägbarkeiten des Lebens und der Liebe erzählen; und das klingt wie ein frühes Vermächtnis: It takes time.

Ich fühlte mich an diesem Abend beschenkt von der gebenden Künstlerin Patti Smith. Und so sind diese Zeilen (geschrieben zum dauerrotierenden „How much a dollar costs“ des derzeit größten amerikanischen Rhapsoden Kendrick Lamar) mein bescheidener, ungestümer Versuch einer Würdigung und Danksagung. Und Ausdruck der Freude darüber, daß sie da ist und uns am Ende eines ihrer Konzerte erneut zurufen mag: „Be happy. Be strong. Work hard. Don’t be afraid! And: Have Fun!!“




Was ist cool?

erschienen in Hohe Luft. Philosophie Zeitschrift, April 2016

Es ist auf jeden Fall sehr uncool, zu erklären, was cool ist. Also dann mal los: Cool ist, die Ruhe zu bewahren, sich nicht aus dem Konzept bringen oder verrückt machen zu lassen von der Crazyness um einen herum. Den Überblick bewahren und trotzdem nicht abgehoben zu sein, find ich cool. Sein Ding zu machen, egal was andere sagen, auch wenn es schwierig ist. Es ist cool, wenn man weiß was man will. Selbstkritisch sein finde ich auch cool. Nicht so zu tun, als sei man nicht Teil des Problems. Andere herabzuwürdigen, um sich selber aufzuwerten, ist definitiv uncool. Es zeugt von Schwäche und Angst. Die Bereitschaft auf andere zuzugehen, offen zu sein für Neues und Eigenschaften und Fähigkeiten anderer zu würdigen finde ich immer cool. Aber auch Grenzen setzen, wenn etwas nicht mehr cool ist. Generell Aufmerksamkeit gegenüber anderen. Hetze, Diskriminierung und Denunziation sind per se uncool. Mitläufertum und Opportunismus, nach oben kriechen und nach unten treten ist vielleicht ganz praktisch, aber auf jeden Fall uncool. Sich auf Kosten anderer zu bereichern oder Vorteile zu verschaffen ebenso. Reich sein finde ich generell uncool. Gier und Geiz sind uncool. Statussymbole auch. Armut schockt zwar nicht, ist aber nicht uncool. Den Glauben an das Gute und die Hoffnung nicht aufzugeben und sich für Veränderungen einzusetzen, finde ich immer cool. Zu wissen, dass es immer irgendwie weiter geht, kann helfen cool zu bleiben. Meine Freunde sind cool. Schlagfertigkeit kann cool sein. Arroganz kommt eher hilflos als cool. Leute die Charme haben sind meistens cool. Stolz und eine gewisse Zurückhaltung finde ich persönlich cool und sehr sexy. Manche denken, Cool sei, sich nicht die Blöße zu geben und sagen dann lieber gar nichts. Das ist dann eher langweilig. Denzel Washington ist cool. Robert de Niro ist, glaub ich, eher schüchtern. Lemmy war cool. Mae West. John Wayne. Marlene Dietrich. Epikur und Marc Aurel müssen ziemlich cool gewesen sein. Iggy ist es immer noch. Joni Mitchell. Grace Jones. Phillip Guston und Per Kirkeby. Cool sein zu wollen ist natürlich grundsätzlich uncool. Sich nicht so ernst zu nehmen, find ich viel cooler. Sogar albern sein kann cool sein. Sich auf jemanden verlassen können ist natürlich cool. Ich finde es cool, wenn man für etwas einsteht. Das hat etwas mit Liebe zu tun. Auch wenn Liebe natürlich erstmal nicht cool ist. Man kann sie kalt sehen, aber nicht kalt erleben. Vergebung kommt aus der Liebe und ist cool. Rache und Hass kommen auch aus der Liebe, sind aber feige Formen der Trauer und ausgesprochen uncool. Loslassen können ist deshalb cool. Gewalt ist immer uncool. Auch wenn sie manchmal notwendig ist, wenn andere weniger cool sind als man selbst. Der Hass auf den Straßen und im Netz ist natürlich mega-uncool. Das Internet generell ist uncool. Es verbraucht zuviel Energie. So uncool wie die Büchse der Pandora oder ein in die Breite gebautes Babel. Die Idee des Rechtstaats hingegen ist cool. Dass er durch TTIP ausgehöhlt werden soll nicht so. Musik ist natürlich mega-cool! Eigentlich alle Künste. Ich finde „Lernen“ cool. Etwas neu können oder verstehen, das man vorher nicht wußte oder konnte. Fehler zuzugeben, find ich cool. Daß alles mit einander verbunden ist, ist unfassbar cool. Auch wenn es manchmal zu viel ist. In dem, was kompliziert scheint, das Einfache zu sehen, es sich aber nicht zu einfach damit zu machen ist definitiv cool. Das sind eigentlich alles Selbstverständlichkeiten. Und daß das so ist, find ich erstmal cool, auch wenn ich den Eindruck hab, daß wir uns in eine Richtung bewegen, die alles andere als cool ist. Grundsätzlich ist Coolness eine Währung wie Ehre, mit der Unterbezahlung kompensiert wird, wenn man zum Beispiel sein Leben für etwas auf’s Spiel setzt. So wie Ritter oder Soldaten. Wirklich cool ist, wer sich nicht darum schert, ob etwas cool oder uncool ist.